Chronik 2019 – Gedenktage, Ereignisse, Geburtstage, Todestage

Vor 370 Jahren – 1649 ...

… ging die allgemeine Kritik dahin, als der Rohbau fertig war, dass „das Gotteshaus für Köflach viel zu groß, zu prächtig und zu teuer“ wäre. Darüber verärgert, überließ Cyprian Sciassia seinem Bruder Domenico die Vollendung des Baues. Höchstwahrscheinlich diente die „Lambertikapelle“, die heutige Kriegergedenkstätte, als Ersatzkirche bis zur Konsekration des neuen Gotteshauses.

Vor 320 Jahren – 1699 …

… wandte sich der Abt von St. Lamprecht mit einer Bittschrift an Kaiser Leopold I., der am 24. Jänner 1699 die Marktrechte von Köflach „ausdrücklich“ bestätigte, da die Klagen der Köflacher Bürger über die drückende landesfürstliche Maut nicht verstummten und die Übergriffe der Voitsberger Stadtväter endlose Prozesse nach sich zogen.

Vor 210 Jahren – 1809 …

… suchten die Franzosen, die 1797, 1800, 1805 und 1809 in die Steiermark einfielen und hier übel hausten, Köflach nicht heim. Doch versetzte die Nachricht, dass am 24. Juni 1809 Marschall Marmont mit 6000 Mann die steirische Grenze auf der Pack überschritten habe, die Bewohner in Angst und Schrecken. Glücklicherweise erfolgte keine Einquartierung. Die Franzosen zogen nach Graz weiter.

Vor 200 Jahren – 1819 …

… waren die Köflacher Bauern infolge der Missernten und des Steuerdruckes „kritisch“ geworden. Sie wollten sich ihrer Untertanenpflicht entledigen, keinen Zehent geben, keine Robot leisten. „Erst nach einigen ausgiebigen Militäreinquartierungen krochen sie zu Kreuz“, heißt es in der Chronik.

Vor 170 Jahren – 1849 …

… am 1. August wurde in Köflach eine Expedition der Fahrpost eingerichtet, die von nun an den Postdienst übernahm.

Vor 110 Jahren – 1909 …

… wurde der interurbane Telefonverkehr eröffnet.

Vor 100 Jahren – 1919 …

… am 15. Mai hatte die erste Wahl in den Landtag und in die Nationalversammlung  (an der zum ersten Mal auch Frauen teilnehmen durften) folgendes Ergebnis:

In Köflach (mit Gradenberg, Pichling und Puchbach) erhielten die Sozialdemokraten 1983, die Christlichsozialen 397 und die Großdeutschen 185 Stimmen.

Vor 80 Jahren – 1939 …

… wurde unser fast 800 Jahre alter Markt zur Stadt erhoben. Die geplante Stadterhebungsfeier konnte jedoch nicht stattfinden, weil am 1. September 1939 der Krieg mit Polen und damit der Zweite Weltkrieg ausbrach. Die Industrie musste nun die Produktion auf die Kriegserfordernisse umstellen.

1941 gab es die ersten Fliegeralarme.

Vor 70 Jahren – 1949 …

… wurde als erstes Industrieunternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg die Gradenberger Formen- und Maschinenfabrik gegründet.

… am 17. Juni, dem 5. Todestag Dr. Hans Kloepfers, gestaltete die Sing- und Spielgruppe im neuerbauten Festsaal („Bohmannsaal“) eine Feierstunde, die dem Gedenken des Dichterarztes gewidmet war. Zahlreiche Freunde des Dichters aus der ganzen Steiermark und viele Persönlichkeiten des kulturellen Lebens nahmen an dieser Gedenkfeier teil.

Vor 60 Jahren – 1959 …

… musste ein Wahrzeichen von Köflach, das uralte Schotthaus (ehemals „Zapfelhof“), dem immer stärker werdenden Durchzugsverkehr weichen. Der Gemeinderat  beschloss, an der Stelle des abgetragenen Schotthauses in Verbindung mit einem Teil des Schulhofes eine schöne Parkanlage als Beitrag zum „Erzherzog-Johann-Jahr“ zu schaffen.

… besuchte die Sing- und Spielgruppe Köflach auf ihrer großen Deutschlandreise  die Stadt Giengen an der Brenz, gab dort ein eindrucksvolles Konzert und stellte damit die ersten persönlichen Kontakte zwischen Köflach und Giengen her. Das war der Anfang unserer Städtefreundschaft, die sich seither in guten und schlechten Tagen bewährt hat und zur Freude der Bevölkerung von den Bürgermeistern beider Städte, Walter Schmid, Alois Edmayer und den Stadtvätern von Köflach und Giengen 1962 offiziell geschlossen und besiegelt wurde.

Vor 50 Jahren – 1969 …

… Staatsbesuch in Köflach-Piber: Königin Elisabeth II. von England, bekannt als große Pferdefreundin, besichtigte anlässlich ihres Staatsbesuchen in Österreich am 9. Mai in Begleitung ihres Gemahls Prinz Philipp und ihrer Tochter Prinzessin Anne das Lipizzanergestüt. Die edlen Pferde und die verschiedenen Vorführungen beeindruckten sie ebenso wie die andern hohen Gäste.

... im Sommer wurde der „Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Köflach“ gegründet. Er begann sofort mit einer intensiven Werbung in Wort und Bild für „Köflach, die Stadt der Lipizzaner“, den „einzigen Ort in Europa, wo mitten in der Stadt Störche nisten und in den nahen Felswänden Gämsen leben“. Der rührige Verein errichtete das Fitnesszentrum am Dechantteich und startete die Köflacher Wandertage und den „Köflacher Radfahrtag“, die sich von Jahr zu Jahr bei jung und alt immer größerer Beliebtheit erfreuen.

… am 11. Oktober stattete Bundespräsident Franz Jonas dem Gestüt Piber einen Besuch ab. Zwei Musikkapellen und mehrere hundert Weststeirer bereiteten dem Staatsoberhaupt in Piber einen überaus herzlichen Empfang.

Vor 40 Jahren – 1979 …

… kurz nach Jahresbeginn konnte Bürgermeister Brunnegger als erste freundliche Amtshandlung den 400.000. Besucher des Köflacher Hallenbades willkommen heißen. Es war dies eine Köflacher Hausfrau, die seit der Eröffnung mit ihrer ganzen Familie wöchentlich dreimal das Bad besucht. Als Erinnerungsgabe bekam sie einen wohlgefüllten Geschenkkorb.

… teilte Bürgermeister Brunnegger bei der 10. Jahreshauptversammlung des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereines im Jänner mit, dass die Stadtgemeinde demnächst das Wohnhaus unseres Dichterarztes Hans Kloepfer in der Bahnhofstraße kaufen werde. Nach einem in Etappen durchgeführten Ausbau soll in diesem Haus die Stadtbücherei, ein Leseraum und außerdem ein Bergbaumuseum untergebracht werden, da Dr. Kloepfer 50 Jahre Werksarzt in Köflach war. Das an das Haus angrenzende Grundstück wird in eine Parkanlage umgewandelt werden, in der auch das Kloepferdenkmal einen neuen Ehrenplatz einnehmen soll.

… am 26. September nahm die Sportgeräte GmbH., weltweit als Herstellerfirma der Koflach-Skischuhe bekannt, ihre neu errichtete Produktionsstätte mit einem großen Festakt und im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens offiziell in Betrieb. Damit konnte der in den letzten Jahren schon fast nicht mehr zu bewältigende Raummangel behoben, und den rund 350 Beschäftigten modernst gestaltete Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden.

… war der 24. Oktober ein echter Festtag für 117 Pichlinger Kinder, der Tag, an dem der neue, lang ersehnte Kindergarten in Anwesenheit  zahlreicher Ehrengäste und Hunderter Köflacher feierlich eröffnet wurde. Nach sorgfältiger Planung und eingehender Beratung wurde er in einjähriger Bauzeit errichtet und steht nun als eine der schönsten Einrichtungen dieser Art der Kindergartenjugend zur Verfügung, die fröhlich singend in ihr neues Heim einzog.

Vor 30 Jahren – 1989 …

… seit dem 1. Jänner nimmt sich der Wirtschaftshof der Stadt der Entwicklung einer geordneten Trennung von Müll und der Zuführung von Altstoffen zur Wiederverwertung an. Der erste Schritt war die Aufstellung von eigenen Altpapierbehältern an allen Straßen und Plätzen und die Einrichtung von Sammelstellen für Sonderabfall beim Wirtschaftshof.

… stand das Magdalenafst in diesem Jahr unter dem Gedenken „340 Jahre Kirche in Köflach“. Die Erinnerung galt der Vollendung des Kirchenbaues im Jahre 1649 (siehe Seite 45). Die Feierlichkeiten erstreckten sich vom 20. zum 23. Juli. Sie umfassten ein Heldengedenken, ein religiöses Weihespiel, eine Primizmesse und ein feierliches Hochamt, vom Abt des Stiftes St. Lambrecht zelebriert. Zum profanen Teil des Patroziniums, dem Magdalena-Kirtag, strömten trotz oder eben wegen des sich umgestaltenden Stadtbildes Tausende von Besuchern herbei. Seine Wiederholung und seine steigende Anzeihungskraft verdankt der Markttag dem guten organisatorischen Zusammenwirken von Stadtverwaltung und Interessensge-meinschaft der Köflacher Wirtschaftstreibenden.

… am 14. August stattete die britische Premierministerin Margaret Thatcher während eines Österreichurlaubs dem Bundesgestüt einen Besuch ab. Während der Gestütsbesuch der englischen Königin Elisabeth im Jahre 1969 noch von großem Zeremoniell begleitet war, wurde die „Eiserne Lady“ von rund hundert Bewachern abgeschirmt durch das Gestüt geleitet. Der Besuchstag fiel mit dem 20. Jahrestag der Entsendung britischer Truppen in den nordirischen Unruheherd zusammen. Man befürchtete, dass der Arm der Widerstandsbewegung IRA auch in die Steiermark reichen könnte.

… im Oktober und November gelang es dem Stadtmuseum, auf den Äckern der Pichlinger Wanne die Steineinbauten von drei Hügelgräbern aus der Römerzeit freizulegen. Die Fundstelle wurde vom Leiter der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte am Joanneum Graz begutachtet und als weiterer Hinweis auf den Bestand einer römerzeitlichen Siedlung in Oberpichling angesehen.

… hatte der Bürgermeister für den 7. Dezember zur Feier der 50. Wiederkehr der Erhebung von Köflach zur Stadt in das Franz-Zwanzger-Volksheim geladen. Am 24. September 1939 sollte die erste Stadterhebungsfeier mit großem Gepränge veranstaltet werden. Die Absicht fiel den Zwängen der Kriegswirtschaft zum Opfer. Das Festgeschenk, das sich Köflach zur 50. Wiederkehr dieses Gedenktages bereitete, war kein Volksfest mit historischem Umzug, sondern das Stadterneuerungskonzept, durch das dem dörflichen Charakter des alten Marktes ein städtisches Antlitz gegeben werden konnte. Den 50. Jahrestag der Stadterhebung nahm der Bürgermeister zum Anlass, neunzehn Persönlichkeiten, die sich in der unmittelbaren Vergangenheit um das Gedeihen des Gemeinwesens Verdienste erworben hatten, mit dem Ehrenring, beziehungsweise mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt öffentlich auszuzeichnen.

Auszüge aus Köflach von Erika Iberer, erschienen im Verlag für Sammler, Graz, 1992.