Zigöllerkogel

NNW von Köflach befindet sich der 680 m hohe, aus paläozoischem Bänderkalk und dolomitischen Felsgruppen aufgebaute Zigöllerkogel, dessen Höhlen schon seit dem Mittelalter bekannt und von Sagen umwoben sind.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1807, schrieb F. Sartori über den Heidentempel, den er als „Heidnische Kirche am Zigöllerkogel bey Köflach“ bezeichnete. Gerade diese Höhle scheint immer wieder in der alten Literatur auf. Gegen Ende dieses Jahrhunderts begannen erste Forschungen und auch Grabungen in den Höhlen des Zigöllerkogels. Vorwiegend wurde nach Knochen gegraben, aber auch nach „Schätzen“ die sich laut einer Sage in den Höhlen des Berges befinden sollten. Später nahmen sich einige „Heimatforscher“ aus der näheren Umgebung der Höhlen an und zerstörten bei ihren Untersuchungen teilweise wertvolle Kulturschichten.

In den heute bekannten 70 Höhlen des Berges wurde seit Beginn des 20 Jahrhunderts ständig geforscht, aber erst in den 60er Jahren mit der systematischen Bestandsaufnahme durch Mitglieder des Landesvereins für Höhlenkunde in der Steiermark begonnen, die bis Anfang der 70er Jahre dauerte.

Mehr als 87 % der Höhlen des Zigöllerkogels sind in die Gruppe der Kleinhöhlen (5 bis 50 m Länge) einzurechnen, der Rest (8 Höhlen) zählt zu den Mittelhöhlen (50 bis 500 m Länge). Die längste Höhle dieses Gebietsabschnittes ist jedoch die Leitnerhöhle bei Salla, eine 516 m lange, aktive Wasserhöhle, die in einem Marmorzug liegt und heute abgesperrt ist.

Im W-Hang des Zigöllerkogels sind die Höhlenvorkommen an mehrere Niveaus gebunden. Die im Talniveau des Gradnerbaches oder nur unbedeutend darüber liegenden Höhlen, wie die Fleischhacker- oder Fleischerhöhle, sind teils heute noch aktive Wasserhöhlen. In dieser Höhle traf übrigens 1906 H. Bock auf den sagenhaften See des Zigöllerkogels. Der spaltenförmige Eingang dieser Höhle führt durch einen engen, gewundenen Gang in eine kleine, bei Hochwasser oder nach ergiebigem Regenwetter mit kristallklarem Wasser erfüllte Halle. Das unterirdische Gerinne kann durch tropfsteinreiche Gänge und kleine Grotten noch gut 60 m ins Berginnere verfolgt werden. In trockenen Sommern versiegen Höhlenbach und Höhlensee vollkommen.

Der Heidentempel

Diese Höhle ist besonders in Fachkreisen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und ist auf der Österreichkarte des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen als bemerkenswerte Höhle eingetragen. Der „Heidentempel“ ist daher auch unter Naturschutz gestellt.

Was hat es mit dem Heidentempel für eine Bewandtnis, welches Geheimnis hütet er, von dem Sage und Volksmund so viel zu erzählen wissen? Als Geheimnis hütete er bis zum Juli 1966 an einer kanzelartigen Stelle ein aus dem Fels herausgearbeitetes (später teilweise zerstörtes) Relief, welches drei Köpfe, die sogenannten „Heidenköpfe“, darstellte, sowie etwas entfernt ein weiteres Bildwerk, welches einen Männerkopf zeigt. (Die gute Arbeit wurde ebenfalls vor Zeiten einmal teilweise zerstört.) In der Datierung der Arbeit waren sich die Wissenschaftler der Frühgeschichte nicht einig.

Der nach Nordwesten blickende Eingang des Heidentempels, einer typischen Zerklüftungshöhle, liegt in 450 m Seehöhe am Fuße einer monumentalen Felswand des Zigöllerkogels. Das lang elliptische Höhlenportal des Heidentempels ist etwa 3 m breit und 5 m hoch. Man steigt über den durch Wasser kaskadenförmig gestalteten Boden aufwärts, bis man zu einem schmalen, nach Norden gerichteten Gang kommt. Die Höhle liegt in der zweiten der vier Etagen des Zigöllerkogels und ist neben dem Luegloch die zweitgrößte Höhle dieses Bergstocks. Nach SSW führen einige kaum schliefbare, teilweise verstopfte Gänge, die sehr bald enden. Verfolgt man den durchschnittlich 2 m hohen schmalen Hauptgang, so gelangt man in den oberen Teil. Parallel zum Hauptgang verläuft ein zweiter, etwas niedrigerer Gang.

Diese Höhlengänge tragen Dreiecksprofile und weisen nur gelegentlich Wassermarken und Kolken auf. Letztere scheinen manchmal eher durch Laugung als durch Druck des Wassers entstanden zu sein.

Die nur 21 m höher liegende, nach WNW gerichtete oberste Tagöffnung der Höhle ist wie auch die beiden anderen Fenster durch Denudation der Felswände entstanden. Von der zweiten Höhlenöffnung kann man gut auf eine Felsbrücke hinausblicken, die dadurch entstanden ist, dass die zerklüftete, bereits dünne Höhlendecke an einigen Stellen eingebrochen ist.

Die letzte, etwa 2,5 m hohe Öffnung führt auf eine Plattform, die terrassenförmig angelegt ist und ihre Entstehung starker Frostverwitterung zu verdanken hat. Man erreicht sie nach einer Engstelle, an welcher einige Stufen in den Felsgang gehauen wurden.

In der Südwand der Nische befand sich einst ein Relief mit zwei Frauenfiguren, welches heute im Museum von Köflach aufgestellt ist. Knapp darüber, auf einem Felsabsatz, kann man einige undeutlich in den Fels gemeißelte Buchstaben lesen, die auf christliche Spuren deuten. Oberhalb dieser Inschrift, die INRI heißen könnte, befinden sich einige rauchgeschwärzte Nischen und zwei größere Vertiefungen, ebenfalls künstlicher Herkunft.

All dies deutet darauf hin, dass sich hier eine alte Kult- oder Grabstätte befand, die in die Zeit der Noräer oder Römer zurückgeht. Christen mochten dann das heidnische Heiligtum beschädigt und die erwähnte Inschrift hinzugefügt haben.

Das Ochsenloch

Das mächtige, 8 m breite und ebenso hohe Portal dieser im NW-Hang des Zigöllerkogels in 550 m Seehöhe liegenden Höhle, auch Ochsenloch genannt, führt in eine geräumige, gut 12 m lange, 13 m breite und 9 m hohe Halle, deren Wände stark ausgewittert sind und ihr Boden demzufolge mit scharfkantigem Bruchschutt reichlich bedeckt ist. In ONO-Richtung endet diese Ausbruchshöhle in einen engen, verstopften Gang, durch welchen der Höhle ausgiebige Sedimentmengen zugeführt worden sind.

Eine hier fast horizontal vorstoßende Randsinterpartie weist darauf hin, dass im rückwärtigen Teil der Höhle einst eine mächtigere Humusablagerung vorhanden war. An der breitesten Stelle der Halle wurde ein 13 m langer und 2 m breiter Probegraben bis über 2 m tief angelegt, um die gegen SW geneigte Schichtfolge der imposanten Halle zu erforschen. Der gut 10 bis 15 cm mächtige Humus barg teils dünnwandige, römische Tongefäßscherben und Haustierknochen, in seinen unteren Lagen aber zahlreiche schöne Funde, die nach der Beurteilung Doktor W. Modrijans der Hallstattzeit angehören. Von diesen seien nur ein feingemustertes Spangenstück aus Bein, ein Messergriff aus Geweih und graphitische, schön gemusterte Schalen- und Schüsselfragmente erwähnt.

In der Mitte, im rückwärtigen Teil der Höhle, befand sich zwischen dem Humus und dem unterlagernden gelbbraunen Lehm eine ausgedehnte (9 m²) Feuerstelle mit mächtigen Aschenschichten, angebrannten Knochen und wenigen Topfscherben.

Die Fleischhacker-Höhle

Diese Höhle liegt am Fuße der Westflanke des Berges, direkt neben dem Mitschweg. Heute ist sie durch ein Tor verschlossen. Doch das war nicht immer so. Die leichte Erreichbarkeit der Höhle nutzten die Köflacher Fleischhauer und entsorgten dort im recht geräumigen Eingangsbereich der Höhle die Schlachtabfälle. Wenn man an der Höhle vorbei ging konnte man dem ekelerregenden Verwesungsgeruch nicht entkommen.

Als in den Fünfzigerjahren der Talboden hinter der Glasfabrik zum Wasserschutzgebiet für die städtischen Grundwasserbrunnen erklärt wurde, hat man die Höhle von den Relikten dieser Abfälle gesäubert und den Eingang durch ein massives Tor verschlossen. Geblieben aber ist der Höhle der Name, in Erinnerung an die Köflacher „Fleischhacker“.

Sagen vom Zigöllerkogel

Drachenhöhle
In der Drachenhöhle des Zigöllerkogels ist ein großer See. Da hängt von der Decke ein goldener Zapfen herunter, der von einem Lindwurm bewacht wird. Lange schon wollen die Menschen das Gold haben. Aber wehe, wenn ihr Vorhaben gelingt! Denn sobald der Lindwurm den Diebstahl bemerkt, wird er mit seinem mächtigen Schwanz die Bergwände zerschlagen und alles Wasser wird sich ins Tal ergießen und wird Köflach und seine Umgebung in einen See verwandeln.


Der Schatz im Zigöllerkogel
In einer Höhle des Zigöllerkogels soll in einer uralten Truhe ein Schatz liegen, den man nur zur Osterzeit, während in der Kirche die Passion gelesen wird, heben könne.

Zwei Sensenschmiede aus Gradenberg versuchten vor vielen Jahren ihr Glück und wirklich fanden sie den Schatz, der ihnen aus stockdunkler Höhle schon von weitem entgegenleuchtete. Sie boten ihre ganze Kraft auf, die schwere Truhe gegen den Eingang zu schleppen. Schon hatten sie ihn fast erreicht, als sie zu ihrem nicht geringen Schrecken alle Häuser in Gradenberg lichterloh brennen sahen. Sogleich ließen sie die Truhe stehen und eilten den Berg hinab, um zu helfen und zu retten. Als sie jedoch schweißtriefend das Tal erreichten, war vom Feuer nichts zu sehen und alles war wie zuvor. Aber wie groß war ihre Enttäuschung! Als sie wieder oben ankamen, sahen sie noch genau, wo die Truhe gestanden war, die Truhe jedoch war und blieb verschwunden, so sehr sie auch danach suchten.


Die goldene Lampe im Heidentempel
Gegenüber der Teufelswand befindet sich im Zigöllerkogel eine große verzweigte Höhle, der „Heidentempel“. Vor urdenklichen Zeiten sollen hier Heiden gehaust haben. Sie brannten des Nachts an einer bestimmten Stelle der Felswand eine goldene Lampe an und verrichteten davor ihren Götzendienst. – Die Heiden sind längst verschwunden und verschollen; die goldene Lampe aber kann man in manchen Nächten noch immer aufleuchten sehen. Es geht die Sage, wer sie finde, könne reich werden, denn sie sei aus purem Gold. Auch soll unter ihr ein Schatz vergraben sein.

Sprungschanze am Zigöller

In den 1930er-Jahren gab es da und dort schon kleine Sprunganlagen. Es sollte aber bis 1950 dauern, ehe in Köflach am Nordosthang des Zigöllerkogels eine Sprungschanze gebaut wurde. Für die Planung und das Profil der Schanze zeichnete Herr Ing. Siegfried Kravcar verantwortlich. Als unermüdlicher Organisator und humorvoller Sprecher bei den Sprungveranstaltungen erwarb sich Karl Zinke große Verdienste.

Bis zum Jahre 1953 war die Schanze zu einer 50 m Anlage erweitert worden. Am 17. Jänner 1953 trat die österreichische Nationalklasse mit Sepp „Bubi“ Bradl an der Spitze beim Stölzle Pokalspringen an. Die Sprungfans aus der gesamten Mittelsteiermark strömten herbei. Das Gelände im Auslauf konnte die ca. 10.000 Besucher kaum fassen. Bubi Bradl siegte mit 47 m Weite. Bei einem späteren Springen verbesserte er den Rekord auf 48,5 m.

Wegen mehrerer schneearmer Winter wurde die Schanze 1963 aufgegeben, der Sprungsport kam zum Erliegen.

Naturschutzgebiet Zigöllerkogel (NSG-C43)

Das Zigöllerkogel-Naturschutzgebiet ist ein am nordwestlichen Rande des Grazer Berglandes gelegenes Pflanzen- und Tierschutzgebiet. Der zwischen 640 und 680 m Seehöhe gelegene, Süd/Süd-West exponierte Hang liegt am Ende des Taldurchbruches des Gradnerbaches.


Auf dem Kalkgestein hat sich im Oberhang ein artenreicher, extensiv genutzter Halbtrockenrasen-Felsbiotop-Komplex in mosaikartiger Verzahnung entwickelt. Der Rasen ist von lichtem Föhrenwald begrenzt, in dessen teilweise sehr dichtem Jungholzanteil eine extreme Beschattung der Bodenvegetation gegeben ist. Am Kamm beginnt zur Nordseite abfallend ein Hangbuchenwald.

Der Rasen wird zunehmend durch Eindringen junger Föhren beschattet. Zusätzlich dringt aus dem Buchenwald vom Kamm her verstärkt Adlerfarn in die freien Flächen ein und verdrängt so die artenreiche Vegetation. Im Unterhang des südexponierten Hanges sind Fichten eingestreut, wie überhaupt der Unterhang teilweise durch menschliche Eingriffe eine nicht standorttypische Vegetation aufweist.

Die stark sonnenexponierten steilen Hänge weisen auf Grund ihres trocken-warmen Lokalklimas im oberen Hangbereich Xerotherm-Vegetation mit submediterranen Floren- und Faunenelementen auf. Diese sind auf den flachgründigen Böden über Kalk oft mit Florenelementen der Alpen kombiniert. In den angrenzenden, lichten Trockenwäldern hält sich ebenso wie in den wärmebegünstigten Trockengebüschen im Kammbereich Limodorum abortivum auf. Das dichte Aufkommen der Jungföhren scheint der Orchidee aber zu schaden, da die Schattenwirkung zu groß ist. Der Zigöllerkogel ist das letzte Habitat dieser Orchidee in der Steiermark.

Dieses Gebiet ist durch Verbuschung und die Zunahme des Föhrenwaldes gefährdet. Zippammer, Ameisenjungfern, seltene Hummeln (Tonerdehummel, Megabombus argillaceus) und wahrscheinlich der Ziegenmelker leben hier. Die im Nordhang stehenden Buchenwälder sind ein Lebensraum für weitere spezialisierte Arten.

Pflegemaßnahmen wären dringend durchzuführen. Das Offenhalten der Wiese ist aus faunistischer Sicht notwendig, sollte nicht ein Artenverlust hingenommen werden, der vor allem die ökologisch anspruchsvolleren Arten treffen würde.

Nummer des Naturschutzgebietes:

43c

Größe des Naturschutzgebietes:

30,19ha

Seehöhe des Naturschutzgebietes:

680m

Verordnung zum Naturschutzgebiet:

02.05.1986