Piber - Die Kinderstube der Lipizzaner

Die Bezeichnung Köflachs, als Stadt der weißen Pferde, geht auf eine der wohl bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Österreichs zurück. Im Köflacher Ortsteil Piber liegt nämlich das Lipizzanergestüt Piber, das sich der Zucht der ältesten Kulturpferderasse Europas widmet.

Piber einst und jetzt

Der Ortsname Piber wurde mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem gotischen Wort "Biburg" (Lager, Befestigung" gebildet, was auf eine sehr frühe Wehranlage zum Schutze der Alpenübergänge schließen lässt.

Die uralte Siedlung Piber, heute ein Stadtteil von Köflach, hat eine rhrwürdige und interessante VErgangenheit, die jahrhundertelang mit dem Werden und Schicksal unserer Stadt verbunden ist. 

Markgraf Adalbero von Eppenstein (später Herzog von Kärnten), berief bairische Siedler in dieses Gebiet, die geminsam mit seinen Unterntanen den Wald zu roden und die zahlreichen Sümpfe trochenzulegen begannen.

Markgraf Markwart setzte das Kolonisationswerk seines Vaters fort. Schon 1066 wurde die 1060 erbaute, dem heiligen Andreas geweihte Kirche zum erstenmal urkundlich genannt.

Während der Amtszeit des Pfarrherrn Magister Gerold ( 1216 - 1233) wurde die Kirche, der wachsennden Bedeutung des Sprengels entsprechend, im romanischen Stil umgebaut. Die feine halbkreisförmige Apsis an der Ostseite der Kirche ist eine Sehenswürdigkeit  von Piber.

1414 trennte Herzog Ernst die Pfarre Piber von der Diözese Seckau wieder an und gab sie "auf ewig" dem Stifte St. Lambrecht zurück, welche dem römischen Stuhl unmittelbar untergeben war.

1798 wurde In Piber ein Militärgestüt errichtet, ab 1800 war es auch Remontendepot. 

1890 errichtete das Ackerbauministerium ein Gestüt, das aber in züchterischer Abhängigkeit von k.u.k. Staatsgestüt Radautz stand und bis 1918 schweres englisches und Normänner-Halblut züchtete.  1918 wurde das Gestüt unter die Leitung des Landeswirtschaftsministeriums gestellt. 1920 kamen die Lipizzaner von Laxenburg nach Piber.

Am 9. 1945 Mai besetzten englische Truppen Piber. Eine Kavallerie- und Artillerieeinheit quartierten sich im Schloss ein. Kurz vor Weihnachten verließen die englischen Soldaten den Ort. 

Am 01. Jänner 1952 wurde die Katastralgemeinde Piber der Großgemeinde Köflach eingegliedert. Damit wurde sie ein Stadtteil jenes Ortes, der sechs Jarhunderte lang von Piber abhängig gewesen war.

1580 gründete Erzherzog Karl II. im Dorf Lipizza bei Triest ein Gestüt, in dem vor allem spanische und neapolitanische Pferde gezüchtet wurden. Mehr und mehr wurden die Lipizzaner in der 1572 gegründeten „Spanischen Hofreitschule" als Repräsentationspferde des österreichischen Hofes eingesetzt. 

Mit der Donaumonarchie endete 1918 auch die österreichische Pferdezucht in Lipizza. Damals fanden die edelblütigen weißen Pferde ihre Heimat im Gestüt Piber, das bereits seit 1798 für die kaiserliche Armee Reitpferde züchtete. Die Abstammungsnachweise der bis heute gezüchteten sechs Hengststämme dieser edlen Rasse, lassen sich übrigens lückenlos bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. 

Auf den weststeirischen Wiesen erlangen die weltberühmten Akteure auch heute noch ihre Trittfestigkeit für die Spanische Hofreitschule in Wien. Nur eine kleine, erlesene Auswahl der imposanten Tiere wird auf ein „Künstlerdasein" vorbereitet.

Bei Gestütsführungen wird den zahlreichen Besuchern, die aus aller Welt nach Piber strömen, auf eindrucksvolle Weise alles Wissenswerte über die Lipizzaner nähegebracht.

Piber ist aber mehr als nur ein besonderes Gestüt. Der Mittelpunkt dieses Ortsteiles von Köflach ist ein zwischen 1696 und 1716 vom italienischen Architekten Domenico Sciassia erbautes Renaissanceschloß dessen prachvoller Arkaden-Innenhof als Veranstaltungsort für Konzerte, Theateraufführungen, Hochzeiten und Feste genutzt wird.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.piber.com

Das Schloss Piber und seine Geschichte

Das Barockschloss Piber wurde im Zeitraum von 1696 – 1716 ursprünglich von den Benediktinern als Abtei (Gutshof des Stiftes St. Lambrecht) erbaut und hat einen quadratischen Grundriss und vier Eckrisaliten. Der dreigeschossige Arkadenhof folgt dem Stil des Domenico Sciassia.
1796 wurde es säkularisiert und unter militärische Verwaltung gestellt. 1798 wurde schließlich auch mit der Gestütsgründung begonnen und die primäre Aufgabe war es, möglichst viele Remonten (junge Pferde für den Militärdienst) an die Armee abzuliefern. 

Im ersten Stock des Südflügels befinden sich Räume mit prunkvollen Stuckdecken, diese Repräsentationsräume können heute für Seminare, Ausstellungen und feierliche Veranstaltungen gemietet und genutzt werden. Ebenso können der Schlossinnenhof und die Arkaden für Konzerte und dergleichen als einzigartige Kulisse mit wunderbarer Akustik verwendet werden. Auch standesamtliche Trauungen und Hochzeitstafeln werden im Schloss Piber auf Anfrage durchgeführt.

Lange Zeit beherbergte das Schloss Piber vier Institutionen unter einem Dach: die Gestütsdirektion, den Pfarrhof, eine öffentliche Volksschule und eine Militärverwaltung. Die Gestütsverwaltung befindet sich auch heute noch im Schloss, die Gestütsbibliothek, mit den Originalzuchtbüchern der Lipizzanerzucht befindet sich im 2. Stock und ist für Besucher nicht zugänglich.

Die Gestütsverwaltung, sowie das Marketing- und Tourismusbüro sind im Erdgeschoss untergebracht. Im ersten und zweiten Stock befinden sich Mietwohnungen.

Über dem Hauptportal des Schlosses befindet sich eine lateinische Inschrift, welche übersetzt heißt: Dieses Gebäude erbaute Franciscus, und Antonius ließ es vergrößern und vervollkommnen, Kilianus schmückte das Gebäude aus. Die Vornamen bezeichnen durchwegs die Namen der damaligen St. Lambrechter Äbte, welche in Piber Pfarrherren waren.

Die Geschichte des Lipizzanergestütes Piber

Mit dem Ersten Weltkrieg endete die österreichische Pferdezucht am Hofgestüt in Lipica. Wegen der nahenden Kampfhandlungen musste das Lipizzanergestüt 1915 nach Laxenburg bei Wien und in

das Gestüt Kladrub evakuiert werden. Die 97 Pferde, die damals Österreich zugesprochen wurden, kamen 1920 nach Piber. Denn in vielem gleichen die Lebensbedingungen in Piber denen von Lipica: Die geologischen Verhältnisse sind ähnlich, das Klima ist milde und gesund, das Gras gut und kräftig. Im Schloss Piber wurde die Gestütsverwaltung untergebracht. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland wurde die junge Republik zur Provinz, die Spanische Reitschule der deutschen Wehrmacht unterstellt, und die Lipizzaner 1942 aus Piber in ein zentrales Militärgestüt nach Hostau im Böhmerwald gebracht. Von dort brachten sie amerikanische Truppen im April 1945 nach Bayern und später auch nach Oberösterreich. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt, 1952 kehrten sie wieder in die Steiermark zurück. Die Zucht lieferte hervorragende Ergebnisse und dies ist nicht zuletzt deshalb von enormer Wichtigkeit, da in der Spanischen Hofreitschule Wien ausschließlich im Gestüt Piber gezüchtete Lipizzanerhengste ausgebildet werden.

Das Lipizzanergestüt Piber

Das Lipizzanergestüt Piber hat die Aufgabe, die älteste Kulturpferderasse Europas – die Lipizzaner – zu züchten, deren Ursprung in die imperiale Zeit, auf das Jahr
1580, zurückgeht. Das Herz der Lipizzanerzucht in Piber sind die Mutterstuten: Sie sichern den Nachwuchs und ihnen gilt hier ganz besondere Aufmerksamkeit. Heute
werden jährlich rund 40 Fohlen in der Weststeiermark geboren – und zwar nicht mit ihrem berühmten weißen Haarkleid, sondern schwarz, grau oder braun. Erst in den
nächsten vier bis zehn Jahren bekommen sie das typische Weiß, für das die Lipizzaner bekannt, beliebt und berühmt sind.

Im Lipizzanergestüt Piber ist das vierhundertjährige Wissen um die Aufzucht vorhanden, Pferde für die besonderen Leistungen zu züchten, die sie besonders durch die
Spanische Hofreitschule in Wien weltberühmt gemacht haben. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts brachte das kaiserliche Hofgestüt herausragende Nachkommen hervor, was die Originalzuchtbücher zeigen, die bis zum heutigen Tag weiter händisch (und seit einigen Jahrzehnten zusätzlich auch elektronisch) geführt werden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Lipizzanergestüt Piber und der Spanischen Hofreitschule in Wien basiert auf einem einzigartigen Kreislauf: Nur die besten Hengste
aus Piber präsentieren die Lektionen der Hohen Schule in der Spanischen Hofreitschule – und diese wiederum kehren dann für eine Decksaison nach Piber zurück. Nach Beendigung ihrer Karriere in der Hofreitschule genießen manche Hengste auch ihren wohlverdienten Ruhestand in Piber.

Die Kindheit der Lipizzaner

Während der gesamten Aufzucht werden die jungen Pferde von fachkundigen Betreuern umsorgt. Die ersten sechs Monate verbringen die Fohlen mit ihrer Mutter, dann
finden sie für ein weiteres halbes Jahr als Fohlenherde ein gemeinsames Zuhause. Danach erfolgt die Trennung in eine Stut- und eine Hengstherde. Die Sommermonate verbringen die ein- bis dreijährigen Jungtiere dann auf
den Almen in 1.500 Metern Seehöhe – die Stuten auf der Prentlalm, die Hengste auf der Stubalm. Diese Alpung ist ein besonders wichtiger Abschnitt in der Aufzucht der
Lipizzaner: Denn durch die teils steilen und steinigen Hänge der Almen erlangen sie die notwendige Trittsicherheit, Ausdauer und Abhärtung.

Wenn mit drei Jahren die Leistungsprüfung für die Stuten beginnt, werden die Tiere behutsam ausgebildet. Und auch die Hengste werden Musterungen unterzogen – die Besten kommen im Alter von etwa drei bis vier Jahren ins Trainingszentrum Heldenberg zur weiteren Ausbildung.

Piber ist heute internationales Kompetenzzentrum der Lipizzanerzucht. Im Jahr 2016 wurde das "Wissen um die Lipizzanerzucht"  von der UNESCO zum nationalen immateriellen Kulturerbe der Menschheit ernannt.

Der Lipizzaner

Die weltberühmten Lipizzaner verdanken ihren Namen dem Dorf Lipica im heutigen Slowenien, in dessen Nähe 1580 das einstige Hofgestüt mit spanischen Pferden gegründet wurde. Im Jahre 1580 bekam der in Graz residierende Erzherzog Karl II., der als Regent für die Steiermark, Kärnten und Istrien von seinem Vater Ferdinand I. eingesetzt war, den Auftrag, nach Möglichkeiten zu suchen, schöne Pferde nach Österreich für eine Hofhaltung zu bringen. Die Wahl fiel auf einen völlig verwahrlosten Ort in der Nähe von Triest — Lipica. Dieses Gelände samt den ehemaligen Ländereien gleich einer Steinwüste, wo spärliche Gräser und Kräuter dorrten. Allerdings war diese Gegend für die Zucht von vorzüglichen Karstpferden bekannt und das schon seit der Griechenzeit. In mühsamer Arbeit wurden die Einrichtungen für eine Pferdehaltung geschaffen. Durch Zukauf von spanischen Pferden und gute Gestütsarbeit wuchs der Pferdebestand und die Einrichtungen wurden ständig erweitert.

Seit Beginn 1700 verwendete man für die Lipizzanerzucht spanische, italienische, deutsche und dänische Beschäler. All diese „Veredler“ besaßen spanisches Blut. Als es altspanische Hengste nicht mehr gab, verwendete man zur Blutauffrischung orientalische Pferde.

Weißes Haarkleid erst nach Jahren:

Die Lipizzaner werden schwarz, braun oder mausgrau geboren. Die Farbe des Haarkleides verändert sich bei jedem Haarwechsel. Aus den dunkleren Tönen entwickeln sich über viele Grauschattierungen allmählich hellere.
Erst im Alter zwischen sieben und zehn Jahren besitzen die meisten Pferde das schöne weiße Haarkleid des Schimmels.Braune Lipizzaner sind selten. Es gehört allerdings zur Tradition der Spansichen Hofreitschule Wien, dass immer mindestens ein brauner Lipizzaner in den Stallungen der Hofreitschule zu finden ist. Sie gelten als Glücksbringer. Lipizzaner zeichnen sich durch einen vollendeten, edel geformten Körperbau, graziöse Bewegungen, Lerneifer, Lebhaftigkeit, Gutmütigkeit, Mut, Härte und Ausdauer aus. Der wohlgeformte Kopf des Lipizzaners kann fallweise eine Ramsnase aufweisen. Der Hals ist etwas höher aufgesetzt und wird edel getragen. Der kräftige, muskulöse Rücken läuft in einer sehr starken Kruppe aus. Das Erscheinungsbild entspricht dem des barocken Prunk- und Paradepferdes, wobei der Rahmen des Gebäudes eher einem Rechteck ähnlich ist. Der gut angesetzte Schweif ist dicht und von feinem Haar. Die Gliedmaßen trocken und profiliert, verfügen über reine Sprunggelenke und schön geformte Hufe. Das für den Lipizzaner charakteristische weiße Haarkleid hat sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts durchgesetzt. Diese Farbe wurde aus Geschmacksgründen züchterisch bevorzugt und andererseits hat sich das weiße Haar des Arabers erbmäßig als dominant erwiesen, sodass heute nur noch in ganz seltenen Fällen das dunkle Haarkleid erhalten bleibt.